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zu treten, und für einen Diplomaten, um mit den inEngland so einflußreichen City- und HandelskreisenFühlung zu nehmen, mit denen das Gesellschaftslebenihn sonst nicht zusammenbringt. Ist man Ehrengast,so kann man nicht schweigen, man wird aufgefordert„to respond“, den Begrüßungsworten zu entgegnen.Ich habe es hierbei möglichst vermieden politischeThemata zu berühren und das Hauptgewicht auf diebeiderseitigen Handelsbeziehungen gelegt, gewichtigegemeinsame Interessen. Gerade diese Reden hattennicht unwesentlich dazu beigetragen, eine für unsgünstige Stimmung zu schaffen, und mein französischerKollege wurde von seiner Regierung beauftragt, mei-ner Werbetätigkeit durch häufigeres öffentliches Auf-treten entgegenzuwirken.
Kriegslustig sind im allgemeinen eher agrarischeVölker und solche, die ihre nationale Grundlage nochnicht gefunden haben. Gesättigte Nationen mit weit-verzweigten Handelsbeziehungen haben beim Kriegemehr zu verlieren als zu gewinnen. Ein in so hohemGrade zum Wohlleben neigendes Volk wie das bri-tische kann unmöglich den Wunsch haben, durch dasUngemach eines Krieges in seinen Interessen wie inGenüssen und Gewohnheiten gestört zu werden.
Was hatte Großbritannien in einem Kriege mit unszu gewinnen? Unsern Handel zu zerstören? Aufunserem Handel beruht zum großen Teil der britischeselbst: Im Jahre 1913 betrug der Wert der britischenEinfuhr aus Deutschland ßO 1 ^ Millionen Pfund, derbritischen Ausfuhr nach Deutschland 59 1 / 2 Millionen.Der Handel Großbritanniens mit uns steht an der Spitzealler europäischen Länder, und wenn man die Ver-einigten Staaten ausschließt und die britischen Kolo-nien, so steht er an der Spitze des gesamten briti-schen Warenaustausches. Außerdem braucht der bri-
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