tische Markt gewisse deutsche Erzeugnisse, wieZucker, Chemikalien, Seidenwaren pp, und kann siegar nicht entbehren. Jeder europäische Krieg mußdem britischen Wohlstände, der auf internationalenHandelswerten und nicht auf agrarischen, heimatlichenberuht, die empfindlichsten Schäden zufügen, selbstwenn Großbritannien nicht direkt an ihm beteiligt ist.Unsere Flotte vernichten? Daß das nicht so leichtwäre, wußten die britischen Fachleute und Staats-männer schon vor dem Kriege. Man hatte sichauch mit unserer Flotte nach der bis-herigen gesetzlichen Festlegung abge-funden; sie war den Briten unbequem, aber so-lange wir keine Novelle brachten, beruhigte mansich. Die britische Überlegenheit war gesichert,Pläne wie der des „Naval Holiday“ fielen ohne Miß-stimmung zu Boden, und ich habe niemals Gelegen-heit genommen, amtlich die Flotte zu besprechen. Ichvermied es absichtlich und bekundete damit, daß iches als eine rein interne Angelegenheit betrachtete.Unsere koloniale Entwicklung wollte man uns lassen,schon weil die Kolonien uns von der Nordsee abziehensollten. Das beweist auch das Entgegenkommen, dasuns in der portugiesischen Kolonialfrage gezeigt wurde.England hat die besten Kolonien und braucht keinenKrieg mit uns, um neue zu erwerben. Hierzu hätte jadas portugiesische Schutzverhältnis die beste Gelegen-heit geboten.
Der Ausbruch des Krieges war für Großbritannien eine Katastrophe ersten Ranges, selbst wenn es ge-lingen sollte, uns zu schädigen. Es wäre vom briti-schen Standpunkt geradezu Wahnsinn gewesen, ihnherbeizuführen.
England war bereit, sich mit uns über alles zu ver-ständigen, mit uns in ein intimeres Verhältnis zu
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