Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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treten, allerdings unter Beibehaltung seiner ander-weitigen Freundschaften, aber unter einer Voraus-setzung: daß wir zweifelsfreie Friedens-politik trieben. Diese Bahn haben wir aber ver-lassen, als wir den Grafen Berchtold veranlaßten,gegen Serbien loszuschlagen. Diese Politik mußte zumWeltkrieg führen, selbst wenn wir ihn nicht wollten,und zum Zusammenbruch meiner Verständigungstätig-keit, da aus den dargelegten Gründen nicht anzu-nehmen war, daß der Konflikt sichlokalisieren"ließ.

Man sagt:Wenn Sir E. Grey gewollt hätte, sowäre Rußland stillgeblieben."

Selbst wenn Grey in Petersburg erklärt hätte, Eng-land mache nicht mit, so hätte Rußland trotzdem sichgerührt, denn von seinem Standpunkt konnte es garnicht anders handeln. Läßt denn überhaupt eine Groß-macht sich Vorschriften machen in Fragen, die sie alsLebensinteresse betrachtet?

Wir hatten bis Ende Juli abgelehnt, auf unsereVerbündeten den leisesten Druck auszuüben in einerFrage, in der wir uns durch Verpflichtungen gebundenglaubten und bei denen die Existenz der Nation aufdem Spiele stand, und von Grey erwarteten wir, daßer einem befreundeten Staate gegenüber da, wo fürihn keine Verpflichtungen bestanden, im Tone desBefehles spräche! Wir verlangten von ihm, daß er denösterreichischen Standpunkt sich ebenso zu eigenmacht, wie wir es taten, daß er als Anwalt der k. undk. Orientinteressen auftrat, daß er eine Politik gut-heißt, die San Guiliano abgelehnt und als abenteuer-lich und aggressiv bezeichnet hat, daß er dreibund-freundlicher wäre als der Genannte, daß er für Öster-reich und gegen Rußland Stellung nähme!

Daß er das tun würde, habe ich niemals behauptet,

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