Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
95
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Paris war, sagte mir:Wenn die Franzosen anfingen,die Revanche zu vergessen, dann habt ihr sie regel-mäßig durch kräftige Tritte dran erinnert.

Nachdem wir die Versuche des Herrn Delcasse,sich mit uns über Marokko zu verständigen, zurück-gewiesen und vorher feierlich erklärt hatten, keinepolitischen Interessen dort zu besitzen, eine Haltung,die wohl den Überlieferungen der Bismarckschen Poli-tik entsprach, entdeckten wir plötzlich in Abdul Asiseinen zweiten Krüger. Auch ihm verhießen wir, wieden Buren, den Schutz des mächtigen DeutschenReiches mit demselben Aufwand und dem gleichen Er-folge, Denn beide Kundgebungen endeten, wie sieenden mußten, mit dem Rückzug, falls wir nicht ent-schlossen waren, schon damals den Weltkrieg zuführen. Daran vermochte auch der traurige Kongreßvon Algeciras nichts zu ändern, noch weniger derSturz des Herrn Delcasse!

Unsere Haltung beförderte die russisch -japanischeund später die russisch -britische Annäherung. Gegen-über der deutschen Gefahr,the German peril", tratenalle anderen Gegensätze in den Hintergrund. DieMöglichkeit eines neuen deutsch -französischen Kriegeswar augenfällig geworden, und ein solcher konnte,anders wie anno 70, weder Rußland noch England un-berührt lassen.

Die Wertlosigkeit des Dreibundes hatte sich be-reits in Algeciras gezeigt, die der dortigen Verein-barungen aber bald danach durch den Zusammen-bruch des Sultanats, der natürlich nicht zu verhindernwar. Im deutschen Volke jedoch verbreitete sich derGlaube, daß unsere Auslandspolitik schwächlich seiund vor derEinkreisung zurückweiche, und daßhochtönenden Gebärden kleinmütige Nachgiebigkeitfolge.