Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Der britische Staatsmann wollte, nachdem sowohlmit Frankreich wie mit Rußland die alten Streitfragengeregelt waren, auch mit uns zu ähnlichen Ab-machungen gelangen. Nicht uns zu vereinsamen, son-dern uns möglichst zu Teilnehmern an der bestehendenGenossenschaft zu machen, war seine Absicht. Wiees gelang, britisch-französische und britisch-russischeGegensätze zu überbrücken, so wollte er auch diebritisch-deutschen möglichst beseitigen und durch einNetz von Verträgen, zu denen schließlich wohl aucheine Vereinbarung über die leidige Flottenfrage ge-hört hätte, den Weltfrieden sichern, nachdem unserefrühere Politik zu einer Genossenschaft, der Ententegeführt hatte, die eine gegenseitige Versicherung gegenKriegsgefahr darstellte.

Das war das Programm Sir Ed. Greys. In seineneigenen Worten: Unbeschadet der bestehendenFreundschaften (zu Frankreich und Rußland ), diekeinerlei aggressive Zwecke verfolgen und keinerleibindende Verpflichtungen für England in sich schließen,mit Deutschland zu einer freundschaftlichen An-näherung und Verständigung gelangen.To bring thetwo groups nearer.

Es gab damals in England wie bei uns in dieserHinsicht zwei Richtungen, die der Optimisten, die andie Verständigung glaubten, und die der Pessimisten,die den Krieg früher oder später für imvermeidlichhielten.

Zu ersteren gehörten die Herren Asquith, Grey,Lord Haldane und die meisten Minister des radikalenKabinetts sowie die führenden liberalen Organe, wieWestminster Gazette",ManchesterGuardian",DailyChronicle. Zu den Pessimisten namentlich konser-vative Politiker, wie Mr. Balfour, der mir dies wieder-holt zu verstehen gab, dann führende Militärs, wie

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