Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
104
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wurde. Graf Mensdorff führte den Dreibund in Lon-don , ich war seinSekundant". Meine Aufgabe be-stand darin, seine Vorschläge zu unterstützen. InBerlin schaltete der kluge und erfahrene Graf Szö-gyenyi. Sein Refrain war:und dann tritt der casusfoederis ein", und als ich die Richtigkeit diesesSchlusses einmal anzuzweifeln wagte, wurde ichwegenAustrophobie verwarnt!

Bei allen Anlässen: Albanien , serbischer Adria-hafen, Skutari, ferner bei der Bestimmung der GrenzenAlbaniens stellten wir uns auf den StandpunktÖsterreichs und Italiens, während Sir Ed. Grey sel-ten den französischen oder den russischen unter-stützte. Er trat vielmehr meist für unsere Gruppeein, um keinen Vorwand zu schaffen, wie ihn späterein toter Erzherzog liefern sollte. So gelang es mitseiner Hilfe, den König Nikita aus Skutari wiederherauszulocken. Schon über diese Frage wäre es sonstzum Weltkrieg gekommen, da wir sicherlich nichtgewagt hätten,unseren Bundesgenossen zur Nach-giebigkeit zu veranlassen.

Sir Ed. Grey leitete die Verhandlungen mit Um-sicht, Ruhe und Takt. Wenn eine Frage sich zu ver-wickeln drohte, entwarf er eine Einigungsformel, diedas Richtige traf und auch stets Annahme fand. SeinePersönlichkeit genoß bei allen Teilnehmern gleichesVertrauen.

Wir hatten tatsächlich wieder einmal eine dervielen Kraftproben, die unsere Politik kennzeichnen,glücklich überstanden. Rußland hatte überall vor unszurückweichen müssen, da es niemals in der Lage war,den serbischen Wünschen Erfolg zu verschaffen.Albanien war als österreichischer Vasallenstaat er-richtet und Serbien vom Meere verdrängt. Der Ver-lauf der Konferenz war daher eine neue Demütigung