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1 (1927)
Entstehung
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von Anfang an aufgefaßt und es war mir auch gelungen,mein Programm zu verwirklichen, als der Ausbruchdes Krieges alles Erreichte vernichtete.

Handelsneid

Der Handelsneid, von dem so viel bei uns die Redeist, beruht auf unrichtiger Beurteilung der Verhältnisse.Gewiß bedrohte das Emporkommen Deutschlands alsHandelsmacht nach dem siebziger Kriege und in denfolgenden Dezennien die Interessen der britischenHandelskreise, die mit ihrer Industrie und mit ihrenExporthäusern eine Art Monopolstellung besaßen. Derzunehmende Warenaustausch mit Deutschland aber,das an der Spitze aller britischen Exportländer in Eu-ropa stand, eine Tatsache, auf die ich in meinen öffent-lichen Reden immer hinwies, hatte den Wunsch, mitdem besten Kunden und Geschäftsfreund in guten Be-ziehungen zu bleiben, gezeitigt und alle anderen Er-wägungen allmählich zurückgedrängt.

Der Brite ist matter of fact, er findet sich mit Tat-sachen ab und kämpft nicht gegen Windmühlen . Ge-rade in den kaufmännischen Kreisen fand ich das leb-hafteste Entgegenkommen und das Bestreben, die ge-meinsamen wirtschaftlichen Interessen zu fördern. Tat-sächlich interessierte sich niemand dort für den russi-schen, italienischen, österreichischen, ja nicht einmalfür den französischen Vertreter, trotz seiner bedeuten-den Persönlichkeit und seiner politischen Erfolge. Nurder deutsche und amerikanische Botschafter erregtendie öffentliche Aufmerksamkeit.

Ich habe, um mit den wichtigen HandelskreisenFühlung zu bekommen, den Einladungen der Vereinig-ten Handelskammern sowie der Londoner und Brad-forder Kammer entsprochen und war Gast der Städte

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