dieselben Lebensgewohnheiten und verbringen dasweek-end auf dem Lande. Keine soziale Kluft trenntdie Parteien, sondern nur eine politische, die sich inden letzten Jahren nur insofern zu einer sozialen ent-wickelte, als die Politiker beider Lager sich gesell-schaftlich mieden. Man durfte selbst auf dem neutralenBoden einer Botschaft beide Lager nicht mischen, dadie Unionisten seit der Veto- und der Homerulebill dieRadikalen ächteten. Als wenige Monate nach meinerAnkunft das Königspaar bei uns speiste, verließ LordLondonderry nach Tisch das Haus, um nicht mit SirEd. Grey zusammen zu bleiben. Aber es ist kein Gegen-satz, der in der Kaste und Erziehung liegt, wie inFrankreich , es sind nicht zwei getrennte „Welten",sondern dieselbe „Welt" und das Urteil über einenAusländer ist ein gemeinsames und nicht ohne Einflußauf seine politische Stellung, ob nun Mr. Asquith re-giert oder Lord Lansdowne.
Ein Gegensatz der Kaste besteht in England nichtmehr seit der Zeit der Stuarts und nachdem die Welfenund die Whig-Oligarchie im Gegensatz zu dem toristi-schen Landadel die bürgerlich-städtischen Kreise em-porkommen ließen. Es ist vielmehr ein Gegensatz derpolitischen Meinungen über staatsrechtliche oderkirchliche Fragen, oder über Steuerpolitik. GeradeAristokraten, die sich der Volkspartei, den Radikalenanschließen, wie Grey, Churchill , Harcourt, Crewe,wurden von der unionistischen Aristokratie am meistengehaßt. Niemals begegnete man einer dieser Herrenin den großen aristokratischen Häusern, außer beiihnen selbst und bei den Parteifreunden.
Wir wurden in London mit offenen Armen auf-genommen und beide Parteien überboten sich in Zu-vorkommenheit. Es wäre fehlerhaft, gesellschaftlicheBeziehungen bei dem engen Verhältnis, das in England