Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Ziehungen zu England weiter verbessert. Ich befür-wortete ihn daher dringend, ,,da sonst der Weltkriegbevorstehe, bei dem wir alles zu verlieren und nichtszu gewinnen hätten. Umsonst. Es sei gegen dieWürde Österreichs , auch wollten wir uns in die ser-bische Sache nicht mischen, wir überließen sie unsermBundesgenossen. Ich solle aufLokalisierung des Kon-flikts hinwirken.

Es hätte natürlich nur eines Winkes von Berlin be-durft, um den Grafen Berchtold zu bestimmen, sich miteinem diplomatischen Erfolg zu begnügen und sich beider serbischen Antwort zu beruhigen. Dieser Wink istaber nicht ergangen. Im Gegenteil, es wurde zumserbischen Kriege gedrängt. Es wäre ein zu schönerErfolg gewesen!

Nach unserer Ablehnung bat Sir Edward Grey uns,mit einem Vorschlag hervorzutreten. Ich konntekeine andere Antwort erhalten, als daß es einkolos-sales Entgegenkommen Österreichs sei, keine Gebiets-erwerbungen zu beabsichtigen.

Sir Edward Grey wies mit Recht darauf hin, daßman auch ohne Gebietserwerbung ein Land zum Va-sallen erniedrigen kann und daß Rußland hierin eineDemütigung erblicken und es daher nicht duldenwerde.

Der Eindruck befestigte sich immer mehr, daß wirden Krieg wollten. Anders war unsere Haltung ineiner Frage, die uns doch direkt gar nichts anging,nicht zu verstehen. Die inständigen Bitten und be-stimmten Erklärungen des Herrn Sasonow, später diegeradezu demütigenden Telegramme des Zaren, diewiederholten Vorschläge Sir Edwards, die Warnungendes Marquis San Guiliano und des Herrn Bollati,meine dringenden Ratschläge, alles nützte nichts, inBerlin blieb man dabei: Serbien muß gezüchtigt werden.

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