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1 (1927)
Entstehung
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litik, dafür aber um so eifriger von den vielen Duellenseiner Jugend, zu deren Erläuterung er pietätvolleErinnerungsstücke aus Seide und Tüll hervorholte.

Mit einigen vierzig Jahren hat bei uns ein Diplomat,der sich nichts zuschulden kommen läßt und die nötigeSchmiegsamkeit besitzt, es meist schon zum Gesandtengebracht, oft auch ohne bemerkenswerte Anstrengung es sei denn des Magens und der Beine und mitLeistungen, die manchmal hauptsächlich im Salonliegen, während andere Beamte im gleichen Alter nurin seltenen Fällen den Rang der Räte erster Klasseerreichen und meist unter weit unvorteilhafteren Be-dingungen. Dieses Mißverhältnis fordert nur zu leichtzur Kritik heraus, wenn Mißerfolge eintreten und derSteuerzahler sich fragt, wozu denn eigentlich diehohen Gehälter bezahlt werden, da die Diplomatendoch nichts erreichen und man anscheinend nur denDümmsten auswählt. Dazu kommt noch, daß bei unswie anderswo erfolgreiche Bürger das Bedürfnis emp-finden, sich feudalisieren zu lassen unter Anwendungvon Formen, die der Zeit entlehnt sind, als man sichnach dem Besitze oder der Stammburg nannte. Ist dieNamensverschönerung aber einmal erfolgt, die bis vorkurzem in Österreich und Bayern schon bei gewissenOrden eintrat, so bildet der Betreffende einen Bestand-teil desAdels, auf dessen Schuldkonto das Miß-vergnügen über Herrn v. Maier gesetzt wird, währendman Herrn Maier vielleicht nachsichtiger beurteilenwürde.

Daß ein erheblicher Teil unserer Diplomaten demeigentlichen Adel angehört, soll nicht geleugnetwerden; ich sehe hierin aber keinen Nachteil, wennnicht etwadie Abstammung die Begabung ersetzt,und wenn nicht die Auswahl unter besonderer Bevor-zugung aristokratischer Geschlechter und zuungunsten

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