Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
147
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zum Staatsmann. Die britische Diplomatie, die derunsrigen so überlegen sein soll, stellt jedenfalls keinehöheren wissenschaftlichen Anforderungen. Es wirddort über Oberflächlichkeit und Unwissenheit nochmehr geklagt, wie hier, und ich las vor einiger Zeitin einer englischen Zeitung, daß ein höherer Diplomatganz erstaunt war, als er vernahm, daß Galizien nichtzu Ungarn gehört, sondern zu Österreich . Als dieTürkei den Krieg erklärte, wollten die Angriffe gegendie britische Diplomatie nicht verstummen, die naivund ahnungslos sei, die unsere hingegen verschlagenund rührig.

Vermögen? Es heißt: Die Gehälter müssen auf-gebessert werden, damit ohne Rücksicht auf Privat-vermögen nur ,,der Tüchtigste Verwendung findet.Wer ist der Tüchtigste? Der das beste Examenmacht? Sollen die diplomatischen Gehälter, die z. B.im Vergleich zu den britischen nicht glänzend sind,in ein noch größeres Mißverhältnis zu dem sparsambemessenen Einkommen unserer übrigen Beamten ge-raten? Kann man einen Botschafter, der kein Ver-mögen, aber viel Kinder besitzt, davon abhalten, dieHälfte seines Gehalts für seine Familie zurückzulegen,statt es für Repräsentation auszugeben? Muß nichtgerade der Diplomat eine gewisse Unabhängigkeit be-sitzen, um stets in der Lage zu sein, seinem Gewissenentsprechend zu handeln, statt für seinen Posten zuzittern, der ihm jederzeit und ohne Angabe desGrundes genommen werden kann? Entsendet nichtgerade das demokratische Amerika vorzugsweisereiche Leute als Botschafter, um den Repräsentations-pflichten, deren Bedeutung man nicht unterschätzt,zu genügen?

Trotzdem will ich nicht leugnen, daß die Gehältervielfach ganz ungenügend sind und dringend einer