Aufbesserung bedürfen auch schon wegen der heutigenValuta, die sich wohl kaum sobald bessern dürfte.
Das Gesandtengehalt beträgt z. B. an gewissenPosten 30 000 Mark, an manchen weniger, selten vielmehr. Davon muß der Gesandte, falls kein staat-liches Gebäude vorhanden, für eine würdige Unter-kunft etwa 18 000 Mark zahlen. Von dem Rest gehennoch Steuern ab und Geschäftsträgerzulage für denUrlaub. Wie soll das übrige genügen für alle An-forderungen des Lebens? Ist er verheiratet, so kanner sich der Verpflichtung, die an ihn ergangenen Ein-ladungen zu erwidern, erst recht nicht entziehen. DieToiletten der Gattin verschlingen beinahe schon dieübriggebliebene Summe! Die österreichisch-ungarischeDiplomatie ist keineswegs eine der schlechtesten undihre Mitglieder haben meist trotz politischer Wirr-nisse eine gute persönliche Stellung, weil sie gewöhn-lich Familien angehören, bei denen, wie Bismarck sichausdrückt, „größere Assurance in höfischen Kreisenund der größere Mangel an Blödigkeit“ ein Produktder Erziehung ist.
Zum guten Diplomaten gehört neben reichlicherVorbildung und einigermaßen gesicherter materiellerGrundlage vor allem Takt, gesellschaftliche Kultur,natürlicher Blick für Menschen und Dinge, gesunderMenschenverstand, die Fähigkeit, sich beliebt zumachen und fremden Verhältnissen sich anzupassen,Verständnis für den Standpunkt anderer und nament-lich für wichtige Posten: politische Urteilskraft.
Diese Dinge liegen jenseits aller Reglements fürdie Vorbildung unserer Diplomaten und aller lobens-werten Reichstagsreden über die Reorganisation derDiplomatie. „Freie Bahn für den Tüchtigen“ ist ge-wiß ein empfehlenswerter Leitsatz, er hat aber keinengrößeren Wert als die üblichen Wappensprüche, die
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