sich jeder nach seiner Fa<;on auslegt, etwa wie jedesVolk dem lieben Gott seine eigene Gestalt gibt.
Nach Ansicht gewisser Barden wäre derjenige derTüchtigste, welcher bei fremden Ministern den eigenenStandpunkt durch kraftvolle Betonung des seinigen„vertritt“ etwa nach Art älterer Kollegen, die ge-wohnheitsmäßig Ballsoupers und ähnliche Veranstal-tungen benützten, um, wenn auch mit anderen Ab-sichten, diese Turnübung nach beiden Seiten zugleichzu praktizieren. Ancillon und mit ihm Bismarckwünschten bekanntlich europäischen Firnis, der dochdarin bestehen soll, daß man vermeidet, Anstoß zuerregen.
Ich will nicht behaupten, daß alle unsere Diplo-maten den berechtigten Anforderungen entsprächen.Gewiß nicht, nur sind sie sicherlich nicht alle un-fähig, wie oft behauptet wird, und im ganzen gewißnicht schlechter, als die anderer Länder. Hingegenglaube ich, daß die auffallenden Mißgriffe, die inPersonalfragen begangen wurden, mehr auf bureau-kratische als auf höfische Einflüsse zurückzuführenwaren.
Man verwechselt oft Diplomatie im Sinne der aus-wärtigen Politik mit dem auswärtigen Personal. EinDiplomat ist nur Organ und Vertreter; er kann nurberichten, seine Wahrnehmungen weitergeben, erkann raten und warnen. Hört man nicht auf ihn undmißachtet seine Ansichten, so ist er machtlos und esist ungerecht, ihn für Ereignisse verantwortlich zumachen, die er richtig voraussagt und gesehen. Aberselbst, wenn er sich irrt, und auch das soll sich imentscheidenden Moment ereignet haben, so trifft nichtihn so sehr ein Vorwurf, als diejenigen, die eine Per-sönlichkeit, über deren Unzulänglichkeit längst nie-mand im Zweifel war, an wichtiger Stelle beließen.