Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Sind denn etwa alle Ärzte empfehlenswert oderalle Künstler, Landwirte oder alle ehrsamen Schuh-machermeister? Nur bleibt es jedem überlassen,diese nach eigenen Erfahrungen oder Ansichten zubeurteilen, während die Obrigkeit Beamte, die denAnforderungen nicht genügen, zu entfernen hat. Un-fähige Botschafter haben freilich auch ihre Vorzüge.Sie sind bequem. Sie berichten nur so, wie man esgerne liest, haben nie eine eigene Meinung undnamentlich erblickt man in ihnen keine persönlicheGefahr! Sie werden daher und mit Recht ganz be-sonders geschätzt!

Ein fähiger und geeigneter Vertreter kann außer-ordentlich nützlich sein, vorausgesetzt, daß es ihmgelingt, das Vertrauen der maßgebenden Kreise desfremden Landes zu erwerben und sich Sympathien zuverschaffen. Nur muß er die Unterstützung seinerRegierung finden; wird ihm aber aus anderen Motivenentgegengewirkt, so ist seine Tätigkeit wertlos und erist nichts weiter als ein vornehmer Privatmann, derDiners gibt für des Reiches Herrlichkeit.

II

Auswärtige Politik ist Liebe und Haß für nationa-listische Schwärmer, Tradition und Satisfaktion fürignorante Romantiker, Treue und Verrat für naivePhilister, Aktensport für krausköpfige Berater, amü-santer Zeitvertreib für gelangweilte Höfe, ihreKarriere für viele Diplomaten, für ungeduldigeGenerale der Weg zum Ruhme und für deutsche Ge-lehrte eine terra incognita. In Wahrheit die Geschäfteder eigenen Firma mit fremden Firmen. Auch alsKunst mag sie gelten, wenn sie mit Erfolg neueeigene Bahnen betritt und eine Idee, aber keinenIrrtum verkörpert. Alsdann verrät sie den Unterschied

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