Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
151
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zwischen Staatskunst und bureaukratischer oder diplo-matischer Routine und Mittelmäßigkeit.

Auch zur Zeit Bismarcks waren die Botschafterund Gesandten nicht lauter Leuchten. Wenn wir vonHohenlohe, Schweinitz, Hatzfeldt und etwa noch Arnimund Radowitz absehen, so überragen nur wenige nochdas Durchschnittsmaß brauchbarer Vertreter.

Ich enthalte mich absichtlich aller persönlichenBemerkungen, wenn ich aber sachlich sein will, somuß ich mich fragen: Liegt nicht die Schuld imSystem?

Das System setzt alles auf eine Karte, es spieltsozusagen auf das große Los! Die Geschicke derNation liegen in der Hand eines Beamten, der dochnur in seltenen Fällen einer solchen Aufgabe ge-wachsen ist. ,,The one man System", wie die Eng-länder es nennen. Während bei ihnen jede Frage vonBelang erst vor das Kabinett gebracht wird, einemaus etwa 20 Mitgliedern bestehenden Kollegium, daswiederum mit der parlamentarischen Mehrheit indauernder Fühlung bleibt und in wichtigen Fragen derauswärtigen Politik auch mit der Opposition, liegt beiuns alles in der Hand eines Ministers, der sich vonunverantwortlichen, meist ungeeigneten oder auch ab-sonderlichen Untergebenen beraten läßt.

Gewiß hat er die Befehle des Monarchen ein-zuholen, und dieser fällt die letzte Entscheidung. Beivielseitiger Inanspruchnahme und mannigfaltigen Inter-essen fehlt dem Souverän aber die Möglichkeit, alleFragen zu ergründen und zu beherrschen. Er ist imwesentlichen auf den Vortrag angewiesen, der ihmgehalten wird, und zwar um so mehr, da der Ministerja auch die Verantwortung zu tragen hat und nicht derMonarch. Fällt die Entscheidung in einer wichtigen