stehenden eine entsprechende Auslegung zu gebenohne Zustimmung der Volksvertretung. Auch die Ab-sendung eines Ultimatums oder einer Kriegserklärungwird ohne vorherige Befragung des Parlaments nichterfolgen können.
Wenn wir in einer Zeit wachsender Demokrati-sierung und Republikanisierung der Völker die Mo-narchie ungeschädigt erhalten wollen, so muß sie ent-lastet werden, sonst läuft die Krone Gefahr, nochmehr als bisher der Kritik ausgesetzt und unter Um-ständen für Mißgriffe und oder gar für Mißerfolge be-lastet zu werden, an denen sie keine Schuld trägt.
Die Mitarbeit und Mitverantwortlichkeit der Volks-vertretung wird eine Erweiterung erfahren, man mag'über Parlamentarier und deren staatsmännische Fähig-keiten denken, wie man will. Den Beamtenstaat, dasAutoritätsregime Bismarckscher Prägung werden wirnicht Wiedersehen, die Zeit der Vormundschafts-regierungen ist vorbei wie die der Theokratien, unddas Recht, „Ja” zu sagen und „Hoch" zu rufen voll-endeten Tatsachen gegenüber, wird in Zukunft demVolke nicht mehr genügen.
Der Krieg mag noch so günstig ausgehen, wie wiralle hoffen, das Ergebnis wird niemals den gebrachtenOpfern entsprechen, selbst wenn wir fremde Gebieteerobern und unterjochen und damit den Keim zuneuen Kriegen legen. Natürlich entwickeln geradediejenigen, die vor dem Kriege den Gedanken an Ver-ständigung verhöhnten und den Präventivkrieg pre-digten, heute den wildesten Appetit und schreien amlautesten nach „Garantien".
Staatsrechtliche Bedenken werden dem demokra-tischen Ausbau des Reichsgedankens auf die Dauernicht wirksam begegnen können. Ich verkenne durch-aus nicht die Vorzüge bundesstaatlicher Verfassung
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