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1 (1927)
Entstehung
Seite
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Wertes des Habsburgerreiches, dessen Anachronismuser nicht fühlte, da er in ihm eine wichtige Stütze desmonarchischen Prinzips erblickte.

Herr v. Schweinitz hat jedenfalls gezeigt, daßpatriotische Gesinnung, an der niemand bei ihm zwei-felt, mit mutiger Meinungsäußerung sehr wohl ver-einbar ist, und daß die Vaterlandsliebe nicht not-wendigerweise einen Diplomaten dazu verpflichtet,alles gut zu heißen und zu verteidigen, was die hoheObrigkeit veranlaßt und verschuldet!

Der Schwerpunkt seiner Ausführungen liegt jeden-falls in seiner Petersburger Botschafterzeit.

Sehr anmutig schildert zunächst der Verfasser, derim Jahre 1822 auf dem schlesischen Gute seinesVaters geboren wurde, die damaligen ländlichen Ver-hältnisse und seine Jugend. Man sieht, wie die da-maligen Gutsbesitzer nach den Befreiungskriegen,ganz ähnlich wie die heutigen, unter den wirtschaft-lichen Folgen des Krieges zu leiden hatten. Drollig,erscheint es ferner, wenn er erzählt, daß zwar einTheologe Hauslehrer war, daß er aber niemals jeman-den im Hause habe beten sehen, und daß er als Kindnie in die Kirche geschickt wurde.

Dann kam die Potsdamer Zeit beim ErstenGarderegiment zu Fuß. Wir blicken in das Haupt-quartier jener Kaste, die im alten Staate eine so ein-flußreiche Stellung einnahm, deren Anschauungen aufdie meisten anderen Stände Übergriffen, ein Organis-mus, der einen Staat im Staate bildete, die Politikleider auch beeinflußte und bei Hofe maßgebend war,der Großes geleistet, aber auch manches verschuldethat, der bedeutende Männer hervorbrachte, aber einenetwas mittelalterlichen Wertmesser für das gesamtestaatliche und bürgerliche Leben schuf. Sechsund-zwanzig Friedensjahre werden als eine Last einp-

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