Wie wenig Verlaß aber auf diesen Drei-Kaiser-Bund war, erhellt aus der Anfrage, die General vonWerder zur großen Entrüstung Bismarcks am 1. Ok-tober 1876 im Aufträge Alexanders II. aus Livadia nach Berlin richtete, nämlich: welche Haltung wir imFalle eines russischen Angriffs auf Österreich ein-nehmen würden?
Schon damals fühlten wohl die russischen Macht-haber, daß die südslawische und auch die ruthenischeFrage nicht anders als durch Krieg zu lösen sei, undAlexander II. hoffte, daß die Dankesschuld, die wirihm für seine Haltung 1866 und 1870 zollten, und aufdie Wilhelm I. in einem kurz vorher durch Generalv. Manteuffel überbrachten Brief noch besonders hin-wies, uns veranlassen würde, eine entsprechendeHaltung einzunehmen. Große Wut in Berlin überWerders Brief, obwohl wir uns in ähnlichen Lagenund mit gutem Erfolg auch des Militärbevollmächtigtenv. Schweinitz bedient hatten!
Schon in dieser dem Türkenkriege vorhergehendenPeriode zeigt sich beim Zaren und bei seinem Kanzlereine dauernde Verstimmung über die Haltung Bis-marcks, auf dessen dankbare Unterstützung man ge-rechnet und in dem man sich enttäuscht sah. Immerneue Klagen über die laue Haltung der BerlinerRegierung in der orientalischen Frage, immer wieder-holte Mahnungen für die Dankesschuld von 1866 und1870, wie für einen Wechsel, der nicht honoriert wird!
Unter dem Eindruck dieser Mißstimmung, die nochdurch gereizte und vorwurfsvolle Erlasse aus Berlin genährt wurde, fanden die ersten Annäherungsversuchevon französischer Seite statt. Fürst Gortschakow leugnet jede amtliche Unterstützung, fügt aber hinzu:„Les empereurs sont d'accord, mais pas les empires.“
Durch die ganze Zeit vor dem Berliner Kongreß
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