Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Während also das Verhältnis zu Berlin und auchzu Wien sich während des Balkankrieges gebesserthatte, und man in Rußland anerkennende Worte fandfür unsere freundschaftliche Haltung, weiß der Bot-schafter von neuen Verstimmungen zu berichten, diesich nach Beendigung des Krieges einstellten. So warAlexander II. wütend über einen Brief Wilhelms I,,ersei vom Minister diktiert, es stände kein Wort vonFreundschaft drin, Bemerkenswert ist, daß FürstGortschakow gegen einen Kongreß nichts einzuwendenhatte, da er immer noch auf unsere volle Unterstützungrechnete und gern einen Krieg mit England vermeidenwollte. Auch Berlin war ihm recht als Kongreßort,Wien oder London lehnte er ab. Ganz klar formu-liert Gortschakow seinen Standpunkt, wenn er sagt:Sie sollten jetzt etwas mehr tun! Sie sagen immer,wenn Rußland und Österreich einig sind,dann stimmen wir zu; das ist jetzt nicht genug. Schwei-nitz fügt hinzu:Und hiermit kam er wieder auf daszurück, was Kaiser Alexander im Jahre 1870 getanhätte."

Damals standen wir am Wendepunkt. Der alteDrei-Kaiser-Bund, an dem offiziell zwar noch fest-gehalten wurde, auch auf russischer Seite, war infolgedes wachsenden russisch -österreichischen Gegensatzesbrüchig, wir mußten zwischen Rußland undÖsterreich wählen, mit beiden auf die Dauerzusammenzugehen, war nicht mehr möglich. DaßBismarck sich für Österreich entschied,war sein größter, sein verhängnisvollsterIrrtum.

Im allgemeinen wird angenommen, daß es derKongreß selbst war, der die Entfremdung mit Ruß-land herbeiführte. Aus den Aufzeichnungen des Bot-schafters entnehmen wir, daß das nicht der Fall war,

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