Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Herbst 1883 heißt es:Als er (Graf Peter Schuwalow)*)nun durch uns in Berlin viel mehr erreichte, als er zuertrotzen imstande gewesen wäre, wurde teils durchFürst Gortschakow , teils durch die Presse, welchedurch Erregung von Unzufriedenheit die Regierungzu liberalen Reformen drängen wollte, dasjenige, wasein Erfolg Rußlands war, zur Niederlage gestempelt.Seit jener Zeit steht am Hofe, im Heerundin allen Schichten der russischen Gesell-schaft das Axiom fest, daß Rußland inBerlin geschädigt und gedemütigt wurde,und weil dies gerade in Berlin geschah so schiebtman alle Schuld auf uns; ebenso sinnlos und nichtminder allgemein wie einst in Frankreich der RufnachRevanche pour Sadowa ist in Rußland derWunsch, den Berliner Vertrag zu rächen. Diese Stim-mung wurde künstlich erzeugt in den Wochen un-mittelbar nach dem Kongreß, als der greise Kanzler,von Berlin zurückkehrend, beim Kaiser in ZarskojeSelo wohnte; gesteigert und genährt wurde sie wäh-rend des ganzen folgenden Jahres, als Kommissionenauf verschiedenen Punkten der Balkanhalbinsel tagten,um die Grenzen zu bestimmen und die neuen Staats-gebilde zu konstruieren; die Fragen wegen Arab-Tabia, wegen der albanischen, an Montenegro ab-zutretenden Distrikte und andere, oft recht unbedeu-tende Meinungsverschiedenheiten, bei welchenwir stets auf Österreichs Seite traten, er-bitterten den Kaiser und die öffentliche Meinung, so-weit von einer solchen in Rußland die Rede sein kann,aufs äußerste; dann folgten die Abmachungenvon GasteinundWien im Herbst 1879; abermehr Haß als alles dies haben unsere pflichtmäßigen (?)Sicherheitsmaßregeln gegen die Pest von Webljanka

*) Russischer Botschafter in London und Vertrauter Alexander I.

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