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1 (1927)
Entstehung
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erregt, welche geradezu einen Wendepunkt der Stim-mung der Russen gegen die Deutschen bezeichnen."Im Februar 1879 schreibt der Verfasser:Aus Berlin kamen unangenehme Telegramme, welche neue vexa-torische Sperrmaßregeln gegen Rußland in Aussichtstellten, obgleich gar keine Pest mehr exi-stiert. Ferner:Die russische Presse wird rechtfeindlich. DerGolos*) bezeichnet den gegenwärtigenZeitpunkt als einen besonders günstigen, um sichFrankreichs Dankbarkeit zu sichern, indem man esaus seiner Isolierung befreit. Ich berichtete natürlichoft über diese Sprache der Zeitungen und fügte hinzu:Viele, die noch vor sechs Wochen den Gedankeneiner Annäherung an Frankreich von sich gewiesenhaben würden, sind heute geneigt, darauf einzugehen.Der Grund hierfür liegt darin, daß die an sich schmerz-liche Ausführung des Berliner Friedens mit den, vonden westlichen Nachbarn angeordneten, unserer Ini-tiative zugeschriebenen Sperrmaßregeln zusammen-fällt."

Bald darauf schreibt Schweinitz, daß Bis-marck einen neuen angeblichen Pestfallwünscht, um Rußland noch mehr schika-nieren zu können, als er es ohnehin schontut! Dann hatte Schweinitz eine Unterhaltung mitdem Minister Walujew, der ihm nicht verhehlte, daßunsere Pestsperre dort Mißtrauen errege, Mißmut unddie Neigung zumFranzösieren" bedeutend steigere.

Der Zar hatte sich gegen General v. Werder dahinausgesprochen, daß die Pestschikanen nichts anderesseien als Bismarcks Rache für Gortschakows De-pesche von 1875 (Krieg in Sicht") wegen vermeint-licher Friedensstiftung. Mit dem russischen Bot-schafter Oubril verkehre Fürst Bismarck gar nicht

*) Bedeutendes liberales Organ.

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