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1 (1927)
Entstehung
Seite
180
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BOTSCHAFTER IN PETERSBURG. DAS DEUTSCH-

ÖSTERREICHISCHE BÜNDNIS

ür die rabiate Stimmung, in die Bismarck sich Ruß-

J7 land gegenüber hineinredete, um schließlich zumverhängnisvollen Schlage, dem österreichischen Bünd-nis, zu gelangen, sprechen die Aufzeichnungen desBotschafters vom 5. April 1879, über seinen Besuchbeim Diktator. Daß Prinz Arenberg, damals Sekretäran der Botschaft in St. Petersburg , beim Mundiereneiner Denkschrift, die r's so machte, daß sie wie wsaussahen, bildete zunächst den Gegenstand des An-stoßes. Nachdem Bismarck alles getan hatte, was erkonnte, um Rußland in die Arme unserer westlichenGegner zu treiben, erfahren wir:Das beständige Ko-kettieren Gortschakows mit Frankreich , die endlosenRüstungen Miljutins, die Avant-Garden-Stellung derrussischen Kavallerie an unserer Grenze, die tob-süchtige Sprache der Petersburger und Moskauer Presse haben im Kanzler die Überzeugung zur Reifegebracht, daß kein Verlaß mehr auf Rußland ist undselbst auf den Beherrscher nicht in demselben Gradewie früher; man könne sich also nicht um der un-sicheren russischen Freundschaft willen mit denanderen Mächten verfeinden, und namentlich nichtmit England und Österreich . Mit letzteremmüsse vielmehr ein engeres Verhältnisangestrebt werden, welches zu einem or-ganischen, ohne Zustimmung der parla-mentarischen Körperschaften nicht lös-baren, zu entwickeln sei." Man sieht, daß derMeister schon damals nicht mehr auf der früherenHöhe war und sich mehr von persönlichen Stimmungenleiten ließ, als von staatsmännischen Gesichtspunkten!