Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
181
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Am Schluß der Unterhaltung kam der Fürst noch-mals auf die r's und w's in dem Arenbergschen Mun-dum zu sprechen, dann wurde der österreichische Bot-schafter angemeldet, und ich ging, ohne daß derKanzler eine einzige Frage über russischeZustände an mich gerichtet hätte. Manhöre und staune! Das also war der große Mann inder Nachkriegszeit, der Wotan unserer Teutonen!

Auch Bleichröder bestätigt:Wir stehen schlechtmit Rußland, sehr schlecht! Trotz aller Sticheleienund Demütigungen war Alexander II. immer noch be-müht, die alten traditionellen Beziehungen aufrechtzu erhalten. Er ließ keine Gelegenheit Vorbeigehen,ohne die üblichen höfisch-militärischen Courtoisien zurSchau zu tragen. Regimentsfeste, Paraden und ähn-liche Schaustellungen, die aber am Hofe eines Auto-kraten nicht bedeutungslos sind, werden benutzt, umseiner Sympathie für uns und unsere WaffenerfolgeAusdruck zu verleihen. Zutrinken und Erinnerung anKöniggrätz und ähnliche, wohlgemeinte Brimborien!Immer noch klammerte er sich an den Gedanken derdeutsch- russischen Interessengemeinschaft. Wie syste-matisch damals Bismarck eine antirussische Politiktrieb, erhellt aus den Äußerungen Alexanders II. am7. August 1879:Ich habe einen Brief von Lobanowbekommen; er beklagt sich, daß Ihre Delegiertenjedesmal gegen die unsrigen stimmen; bei jeder Frage,die aufgeworfen wird, sagt Ihre Regierung, daß siekein Interesse an derselben habe, instruiert aber ihreVertreter, mit Österreich zu votieren, auchwenn sie vorher unsere Ansicht als sach-lich berechtigt anzuerkennen schien; sowar es in Ost-Rumelien, und so ist es jetzt wieder ander türkisch-montenegrinischen Grenze wegen Mrko-witz. Die Österreicher haben ohne große Opfer zwei