Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
196
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Also ohne jede Mitwirkung der Volksvertretung,lediglich auf dynastischer Grundlage glaubte derGründer des Reiches, eine neue Verfassung der Nationaufzwingen zu können, und das im Zeitalter des all-gemeinen und gleichen Wahlrechts und der außeruns, Rußland und der Türkei parlamentarisch re-gierten Staaten!

Gerüchte über eine russisch -französische An-näherung beziehungsweise Allianzvorschläge tauchtenim Herbst 1886 mit größerer Bestimmtheit auf undfanden Unterstützung durch Äußerungen französischerMinister an unseren Botschafter in Paris . Schweinitzwar in der Lage, die Grundlosigkeit zu bekräftigen,fügt aber hinzu, daß nunmehr der Augenblickgekommen sei, um für oder gegen Rußland sich zu entscheiden, selbst auf die Gefahr hin,Österreich wenigstens zeitweise fallen zu lassen. Hierinwurde er durch Graf Peter Schuwalow*) bestärkt, derihm sagte:Auf diese Weise werden wir nie zu einemgesicherten Zustande kommen; solangeFürstBis-marck stets das Einverständnis zwischenÖsterreich und uns zur Vorbedingungseiner Unterstützung macht, wird KaiserAlexander sein Mißtrauen beibehalten;wie stark dieses ist, wissen Sie; jetzt glaubt er, daßSie ihn zum Einrücken in Bulgarien verlocken wollen.Und in der Tat, was ist dies für ein Dreibund, inwelchem zwei gegen den dritten verbündet sind?Schreiben Sie doch dem Fürsten Bismarck, er mögedurch eine geeignete Vertrauensperson dem Kaisereine historische Rememoration vorlegen lassen, inwelcher ihm klar gemacht würde, daß Ihr Anschlußan Österreich im Herbst 1879 lediglich durch unsere

*) Russischer Botschafter in London und Vertrauensmann desZaren.