Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
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fahren wir:Am 17, Januar besuchte mich der Finanz-minister Wischnegradski und sprach sehr interessantüber die schweren Schläge, welche wir demrussischen Staatskredit beigebracht haben.Ich bin im Prinzip gegen alle Repressalien", sagte er,und im vorliegenden Falle ganz besonders, und zwaraus dem Grunde daß ich keine Repressalien zu er-greifen imstande bin. In glatter Form aber mitstillem Grimme bezeichnete der Minister BismarcksVerbot an die Reichsbank, die russischen Werte zulombardieren, als eine äußerst empfindlicheund gehässige Maßregel, welche dadurch, daßsie unmittelbar vor der Ankunft des Zaren in Berlin erfolgte, zu einer Brutalität wurde, die die russische Gesellschaft aufs äußerste indignierte und den Kaiserinsultierte; er vermied natürlich solche Ausdrücke,aber was er meinte, war verständlich."

Am 5. Februar 1888 schreibt Schweinitz:Bismarcktelegraphierte mir, er werde morgen im Reichstagesprechen in beruhigendem Sinne; ich ging zu Giers,um ihm dies zu sagen. Ich fand ihn in trüber Stim-mung; die hiesigen Zeitungen sprechen nämlich in ver-ächtlichem Tone von der russischen Diplomatie, welchesich seit zehn Jahren von uns düpieren ließ, wie ausdem veröffentlichten deutsch -österreichischen Ver-trage hervorgehe.C'est une profonde humiliation',sagte er,nous sommes garottäs." Ferner lesen wir:Jemand sagte:A laRussie il ne reste que lechoix entre une grande betise et la rösig-nation; Heureusement eile s'est decidöepour cette derniere.

Zu Kaisers Geburtstag 1889 schreibt Schweinitz:Man kann sich nicht darüber täuschen, daß wir keinVertrauen mehr finden, selbst bei Giers nicht!" ImNovember 1889 war Schweinitz in Friedrichsruh.

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