Hierüber berichtet er: „Nach dem Frühstück machteder Fürst eine lange Waldfahrt mit Herrn v. Helldorff*)und mir, und mit großem Interesse hörte ich schwei-gend ihrem Gespräche über die Tagesfrage, dasSozialistengesetz, zu. Der Parteimann war gekommen,um den Kanzler zu vermögen, daß er auf den Aus-weisungsparagraphen verzichte, für welchen dieNationalliberalen nicht stimmen wollten, und denselbst die Konservativen für schädlich hielten. DerFürst ging auf nichts ein, sagte, daß er keine „Schwanz-klemmerei“ und „Drückebergerei" dulde, daß die Zeitfür „Blut und Eisen“ sich nähere und dergleichenmehr.“ (!)
„Es ist kein Zweifel“, schreibt v. Schweinitz imDezember 1890 nach dem Besuche Alexanders III. ,„daß der Besuch in Berlin einen vortrefflichen Ein-druck hinterlassen hat, und daß der Zar jetzt wirklichvon der Besorgnis vor einem deutschen An-griffskriege befreit ist. Hiermit ist viel gewonnen,denn durch diese Furcht, welche von unseren Gegnernbeständig genährt und durch die dem Grafen Walder-see zugeschriebenen Intrigen bestärkt wurde, ist derKaiser Alexander dauernd beeinflußt und zu stets zu-nehmenden Kriegsvorbereitungen bewogen worden."
Nach Bismarcks Sturz glaubte der Zar, der Dik-tator sei wegen seiner „russophilen" Politik entlassenworden, und fürchtet, daß Waldersee, von dem ergenau wußte, daß er auf den prophylaktischen Krieghinarbeite, sein Nachfolger werde. Trotz vieler undschwerer Mißgriffe wurde der Rücktritt des Diktatorsvom Zaren bedauert, weil dieser doch nicht glaubte,daß der große Mann es zum Kriege hätte kommenlassen, und er nunmehr völlig unbekannten und un-berechenbaren Größen gegenüberstand. Der Zar be-
*) Führer der Konservativen im Reichstage.
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