auftragte Schweinitz, in Berlin zu sagen, daß er daraufvertraue, daß durch die Entlassung des Fürsten wederin den persönlichen Beziehungen der Monarchen nochin den politischen der Staaten eine Änderung ein-treten werde.
ZumKapitelderNichterneuerung des Rück-versicherungsvertrages berichtet Schweinitz,daß Wilhelm II. den Botschafter Graf Paul Schuwalowin früher Morgenstunde aus tiefem Schlafe habewecken und zu sich bestellen lassen, um ihm zu er-klären, daß er bereit sei, sofort abzuschließen! Herrv. Holstein war es, der den Vertrag zu Fall brachte,mit Hilfe der Herren Graf Berchem und BaronMarschall. Leider ließ sich auch Herr v. Schwei-nitz, der für die Erneuerung war, namentlich durchden Reichskanzler v. Caprivi umstimmen. Dieserbrave Mann hatte Wilhelm II. vorgeschlagen, „daßder russische Vertrag nicht erneuert werde, besondersum der Gefahr zu entgehen, in welche uns dessen Be-kanntwerden versetzen würde; absichtlich oder zu-fällig zur Kenntnis des Wiener Kabinetts gebracht,würde er uns dieses entfremden.“ (!) O sancta simpli-citas! Botschafter Graf Paul Schuwalow war sehr er-regt und aufgebracht und fühlte sich seiner Regierunggegenüber bloßgestellt. Nach Petersburg zurück-gekehrt, findet Schweinitz Herrn v. Giers „kon-sterniert“.
Über seine Audienz beim Zaren schreibt der Ver-fasser: „Sehr geringschätzend sprach der Monarch vonunserer Tripleallianz, die sich wohl bald auflösenwürde, weil die Lasten, die sie unseren Bundes-genossen aufbürde, gar zu schwer seien, besondersfür Italien; aber dies schade ja nichts, wenn Ruß-land und Deutschland fest zusammen-hielten, dann müßten alle anderen ruhig
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