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1 (1927)
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Zusehen.L'Autriche continue ä faire ses petitescochonneries, so fuhr der Kaiser fort,aber auchdies hat nichts zu bedeuten, wenn wir einig sind. Erfragte nach General v. Caprivi, ob dieser nicht etwaso wie Graf Waldersee zum Kriege dränge?

Ferner fügt Schweinitz hinzu:Als mich der Zarbald nach Empfang der Nachricht zu sich beschied,ließ er dem großen Staatsmann Gerechtigkeit wider-fahren, indem er sagte, Fürst Bismarck habe zwarmanchmal Rußland recht weh getan, aber jetzt seiman doch zu richtigem Verständnis seiner Tätigkeitbeim Berliner Kongreß gekommen; auch habe er, derZar, namentlich bei der letzten Unterredung in Berlin, das volle Vertrauen gewonnen, daß der Fürst keinefeindlichen Absichten hege. Auf Wunsch des Zarenist dann der Presseleitung die Weisung erteilt worden,dafür zu sorgen, daß die Zeitungen nicht zu lebhaftfür den Fürsten Bismarck Partei ergreifen. Der Fürsthat den Russen manches Leid zugefügt; er hat eineTripleallianz gegen sie zuwege gebracht, den Wertihrer Papiere und den Kurs ihres Rubels herab-zudrücken gesucht und sie durch vexatorische Maß-nahmen aufs äußerste gereizt, zum Beispiel zur Zeitder vermeintlichen Pest von Wetljanka, aber es würdeihnen doch lieber gewesen sein, wenn er im Amtegeblieben wäre, sie wußten, daß er keinen Kriegwollte, und daß er aus politischer Überzeugung taubblieb für die Klagen der baltischen Deutschen, derLutheraner und der Kolonisten. Viele waren ihm auchwohl dankbar, daß er sie durch seine Friedensliga vorihren eigenen panslawistischen oder chauvinistischenVerführern schützte."

Man sieht, daß trotz aller Reibungen und Provo-kationen in Rußland der Rücktritt des Diktators be-dauert wurde, weil man doch nicht glaubte, daß er

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