Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
206
Einzelbild herunterladen
 

19. bis 22. März vorigen Jahres (1890)*) konnte er unsnicht überraschen, daß Rußland mehr Anlehnung anFrankreich suchte als zuvor; hierzu war es nichtnurberechtigt, sondernsogargezwungen.

Nun folgen weitere Ereignisse, die dem Abschlußdes französisch-russischen Bündnisses vorhergingen.Bei meiner am 1. August (1891) erfolgten Rückkehrfand ich alle meine russischen und diplomatischen Be-kannten unter dem überwältigenden Eindruck, den dieBegeisterung der Volksmassen bei der Einfahrt derfranzösischen Schiffe in der Newa und beim Empfangeihrer Offiziere im Stadthause hervorgebracht hatte.Ruhige und erfahrene Beobachter versicherten, inkeinem Lande je eine so leidenschaftliche und dabei sonaiv-herzliche Massendemonstration gesehen zu haben.Es war wohl nicht weise von der russischen Regierung,aus übler Laune gegen den Dreibund Demonstrationenzu gestatten und sogar zu provozieren, durch welchedie Massen lernen, ihr Schwergewicht zur Geltungzu bringen. Wenngleich hiervon für den Augenblickkeine üblen Folgen zu erwarten sind, so darf mansich doch darüber keiner Täuschung hingeben, daßder Zar heute weniger frei in seiner Entschließungüber Krieg und Frieden ist, als vor vierzehn Tagen.Die Verleihung des Andreasordens an den PräsidentenCarnot bezeichnete die erste Stufe, die Marseillaise an der Hoftafel in Peterhof die zweite, die Ent-fesselung der Volkshaufen die dritte. Je größer dieRaserei der Massen war, um so sicherer konnte manerkennen, wie fern ihnen alle Kriegslustliegt. Nachher schreibt Schweinitz:Man fühltesich hier nicht nur isoliert, sondern be-droht, und man erkannte als notwendig,den sensationellen Erscheinungen, unter

*) Nichtemeuerung des Rückversicherungsvertrags.

206