Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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familie treten wir in die Weltgeschichte ein! Dieseerhebenden Worte von programmatischer Tragweitewürden mich sicherlich noch mehr begeistern, als siees tun, wenn ich nicht das Gefühl hätte, daß wir unsdoch schon seit einiger Zeit in der Weltgeschichtebefinden, uns darin bis zum Kriege sehr wohl fühltenund uns auch nicht über Mangel an Gegenliebe beiunseren Verbündeten zu beklagen brauchten, wenig-stens nicht nach meinen persönlichen Erfahrungen,die auf jährlichem Aufenthalt in meinem Wohnsitz inÖsterreich fußen. Andererseits höre ich aber, daßnicht immer in allen Familien Eintracht und Friedewalten, als deren Voraussetzung viele die Einheitlich-keit sowohl der Autorität wie des Portemonnaies be-trachten, wenn deren Träger auch nicht notwendiger-weise der pater familias zu sein braucht.

Eine wahrhaft altruistische Gesinnung, die ichauch als die Grundlage politischer Ethik betrachte,tritt aus dem Wunsche Euer Hochwohlgeboren hervor,den deutschen Absatz auf den orientalischen Märktenzugunsten der österreichisch-ungarischen Konkurrenzzu beschränken, und ich kann mich in vollster Über-einstimmung mit Ihren Ansichten erklären, wenn Siesagen, daßÖsterreich und Ungarn den Wunschhaben, in ihrer notwendigen industriellen Ausdehnungauf dem Balkan von Deutschland aus möglichst wenigbehindert zu werden." Das ist auch ganz meineÜberzeugung. Etwas skeptischer bin ich leider hin-sichtlich der von Euer Hochwohlgeboren vor-geschlagenenRayonierung des Balkans, die docheiner Einteilung in Interessensphären gleichkäme, wiewir sie mit Rücksicht auf die berechtigten Empfind-lichkeiten der Pforte vor dem Kriege nicht für Klein-asien amtlich festzustellen wagten. Nur im entfern-testen Afrika und Asien war dieser Begriff bisher im

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