erstattung nur zum Schutze Frankreichs und Belgiens eingriff.
In allen wesentlichen Punkten hat auch Herr vonJagow in seinen Erwiderungen meine Ansichten be-stätigt, indem er erklärt: „Auch er glaube an dieFriedensliebe Sir Edward Greys und an seinen ernstenWunsch, mit uns zu einer Verständigung zu gelangen.“
Die englische Regierung habe „eine Politik verfolgt,die auf eine Verständigung hinzielte.“ Der ehemaligeStaatssekretär betont ausdrücklich, er habe „einedeutsch -englische Annäherung für erwünscht und eineVerständigung über die Punkte, wo unsere Interessensich berührten bzw. kreuzten, auch für erreichbar“ ge-halten. Ferner erklärte er, es sei nicht richtig, „daßim Amt die Berichte, England werde unter allen Um-ständen die Franzosen schützen, nicht Glauben ge-funden hätten.“
Der zweite Gedanke, den ich ausführen wollte,war, daß unsere politische Orientierung seit demBerliner Kongreß, jedenfalls aber seit Kündigung desRückversicherungsvertrages, auf einem Irrtum beruhte,der mit der Zeit zum Weltkriege führen mußte. Dennder immer enger werdende Anschluß an Österreich-Ungarn brachte uns in einen scharfen Gegensatz zuRußland , wenn wir uns den österreichisch-ungarischenOrientinteressen dienstbar machten, wie bei der bos-nischen Krise, der Londoner Botschafter-Konferenzund schließlich im Juli 1914. Eine derartige Über-tragung der an sich fragwürdigen Bündnispolitik auforientalische Fragen war auch ganz gegen die Ab-sichten des Fürsten Bismarck, wie sie in den „Ge-danken und Erinnerungen " zum Ausdruck kommen.Der Anschluß Rußlands an die Westmächte war dasErgebnis der Verstimmung, die unsere Haltung in denßalkanfragen seit dem Berliner Kongreß, namentlich
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