aber seit Kündigung des Rückversicherungsvertragesin Rußland auslöste. Auf diese Weise war einewachsende Entfremdung zwischen uns und unseremtraditionellen Freunde, dessen Haltung unsere Erfolgein den Befreiungs- wie in den Einigungskriegen er-möglicht, und dessen besondere Pflege der sterbendealte Kaiser anempfohlen hatte, im Laufe der Jahreeingetreten. Ich wollte nachweisen, daß der gegen-wärtige Weltkrieg nicht in einer mangelhaften Ver-ständigung mit England wurzelt, sondern in einer lang-jährigen Vernachlässigung unserer Beziehungen zuRußland , die den Angelpunkt unserer Auslandspolitikbilden sollten, da uns keinerlei Interessengegensätzetrennten. Ich kann mich für diese Auffassung auch aufBismarck berufen und auf die Kritik, die er an derKündigung des Rückversicherungsvertrages geübt hat.Eindringlich hat er davor gewarnt, zwischen Berlin und Petersburg einen „unheilbaren Riß“ eintreten zulassen.
Drittens und schließlich wollte ich darlegen, daßwir den Krieg zwar nicht gewollt, da wir bis EndeJuli 1914 nicht an den Ernst der Lage glaubten unddie „Lokalisierung des Konflikts" für möglich hielten,daß wir aber durch unsere Haltung überall im Aus-lande den Anschein erweckt haben, wir hätten ihngewollt. Sowohl die Ablehnung des von mir mit demHinweis auf den bevorstehenden Weltkrieg dringendbefürworteten englischen Vermittlungsvorschlages wiedie Nichtbeantwortung der russischen Anregung, denStreitfall dem Haager Schiedsgericht zu unterbreiten,werden in diesem Sinne gedeutet. Namentlich be-lastet uns in den Augen des Auslandes die schroffeZurückweisung jeder Einmischung in die serbischeFrage und unser Standpunkt, daß wir nur unter Aus-schluß gerade dieser eigentlichen Streitfrage eine