Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
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Unter diesen Umständen mußte Österreich sichsagen, daß es weder mit der Würde noch mit derSelbsterhaltung der Monarchie vereinbar wäre, demTreiben jenseits der Grenze noch länger tatenlos zu-zusehen. Die k. und k. Regierung benachrichtigte unsvon dieser Auffassung und erbat unsere Ansicht. Ausvollem Herzen konnten wir unserem Bundesgenossenunser Einverständnis aussprechen, daß seine Aktion,die er für notwendig hielt, um der gegen den Bestandder Monarchie gerichteten Bewegung in Serbien einEnde zu machen, unsere Billigung finden würde. Wirwaren uns hierbei wohl bewußt, daß ein etwaiges krie-gerisches Vorgehen Österreich-Ungarns gegen Serbien Rußland auf den Plan bringen und uns hiermit unsererBundespflicht entsprechend in einen Krieg verwickelnkönnte. Wir konnten aber in Erkenntnis der vitalenInteressen Österreich -Ungarns, die auf dem Spielestanden, unserem Bundesgenossen weder zu einer mitseiner Würde nicht zu vereinbarenden Nachgiebigkeitraten, noch auch ihm unseren Beistand in demschweren Moment versagen."

Aus diesen amtlichen Darlegungen der Kriegs-ursachen geht folgendes hervor:

a) daß Österreich-Ungarn beabsichtigte, Serbien gegenüber zuTaten überzugehen (d. h. alsozum Kriege),

b) daß es uns von dieser Absichtbenachrichtigt"hat,

c) daß wiraus vollem Herzen unser Ein-verständnis ausgesprochen haben, mit der Ver-sicherung, daß eineAktion gegen Serbien unsere Billigung finden würde (d. h. also, daßwir Österreich-Ungarn zum Kriege gegen Ser-bien ermutigt haben),

d)daß wir uns hierbei wohl bewußt waren, daß

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