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1 (1927)
Entstehung
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daß die amtlichen Darlegungen viel belastender füruns sind als die meinigen.

Man kann ja auch einen Krieg wollen, das ist ansich noch kein Verbrechen. Es handelt sich immer nurdarum, ob man ihn für zweckmäßig und notwendig hältoder nicht. Das ist eben Ansichtssache. Bismarck sagt in den .Gedanken und Erinnerungen ", er habezu drei Kriegengeraten"; auch damals sind wir alsonicht überfallen worden.

Das in der Rede des Herrn von Bethmann Hollwegvom 19. August veröffentlichte Telegramm an Herrnv. Tschirschky vom 29, Juli abends, die einzige be-kanntgegebene Weisung nach Wien im Sinne derMäßigung, zeigt, daß wir im letzten Augenblick, alsendlich auch in Berlin der Ernst der Lage erkanntwurde, zum Einlenken bereit waren. Dann kam dierussische Mobilmachung, unser Ultimatum und unsereKriegserklärung an Rußland , die den Weltkrieg ent-fesselte.

Kritik zu üben ist das gute Recht aller Staats-bürger, Wenn man die innere Politik der Regierungtadeln darf, so muß dasselbe auch für die äußeregelten. Gerade die Konservative Partei hat bekannt-lich an der inneren Politik des Herrn von BethmannHollweg die schärfste Kritik geübt. Ich bin nun zumeinem lebhaften Bedauern nicht in der Lage, die aus-wärtige Politik dieses Staatsmannes ebenso zuschätzen, wie dies anscheinend andere Mitglieder desHohen Hauses tun; aber ich sehe nicht, wie diese Auf-fassung die Würde der Kammer irgendwie berührenkönnte.

Natürlich waren aber alle meine Kritiken nicht fürdie Öffentlichkeit oder auch nur für weitere Kreisebestimmt. Niemand bedauert mehr als ich, daß meineintimen freimütigen Erörterungen durch eine unglück-

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