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1 (1927)
Entstehung
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erhalten, indem von dort die Meldung weiterer ver-stärkter Mobilmachungen an ihn gelangt sei. Sodannrichtete er an mich die Frage, ob wir noch immer aufdem früheren, von Herrn von Kiderlen-Waechter auchwiederholten Standpunkt uns befänden, keine Fragegesondert, sondern alle zusammen nach dem Friedens-schluß behandeln zu wollen. Ich bejahte lebhaft undgab meiner Verwunderung darüber Ausdruck, wie erdaran zweifeln könne, daß wir das von Herrn Asquithseinerzeit verkündete und von uns bereitwilligst an-genommene Programm verlassen können. Er erwiderte,er fürchte, daß die Rede des Herrn Reichs-kanzlers, der zu seiner Überraschung dieMöglichkeit eines Krieges zwischen denKontinentalgruppen schon jetzt betonthabe, ihn zu dieser Frage veranlaßte undfragte mich, ob ich den Eindruck habe, daßdieselbe in dem Sinne gedeutet werdenkönne, daßwir Österreich -Ungarnfür alleEventualitäten und für alle Schritte, diees glaubte, in seinem Interesse unter-nehmen zu sollen, die Rückendeckung ge-währleisten, also gewissermaßen einenBlankowechsel ausstellen wollten. Er be-fürchte, daß eine so weitgehende Unterstützung derösterreichischen Politik unserem gemeinsamen Ziele,der Erhaltung des Friedens und der Mäßigung aufbeiden Seiten, unzuträglich sein und die öster-reichische Widerstandslust stählen werde.

Sir E. Grey anerkannte dies und meinte, daß esihm vor allem daran läge, daß keine zweiteLage entstände wie im Jahre 190 9. Denner sei überzeugt, und diesen Satz wieder-holte er zweimal mit besonderer Beto-nung, daß Rußland zum zweiten Male

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