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1 (1927)
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einen Rückzug wie damals nicht antreten,sondern lieber zu den Waffen greifenwerde. Es käme also alles darauf an, daß die ser-bische Hafenfrage sich nicht derartig zuspitze, daßeine von den beiden Großmächten gezwungen seinachzugeben. Sein ganzes Bestreben gehe vielmehrdahin, daß der österreichisch-serbische Streit in Ge-meinschaft mit allen anderen Fragen derart behandeltwerde, daß es möglich sei, Kompensationen zuschaffen, indem man den Sandschak und andere Ge-biete mit in den Handel hineinzöge. Er könne einegewisse Besorgnis nicht unterdrücken, daß die RedeEuerer Exzellenz, obwohl sie von der hiesigen Presseim allgemeinen günstig aufgenommen worden sei, dazubeitragen könne, den serbisch -österreichischen Streitvon den anderen Fragen zu sondern und dasscharfeHervortreten der europäischen Gruppen,deren Gegenüberstellung er ängstlich zuvermeiden gesucht habe, zu betonen. Dennes käme ihm vor allem darauf an, daß aus demStreite keine Ehren- oder Parteisacheder bestehenden Gruppen entstände, da-mit es möglich sei, daß unsere beiden Länder, diebisher gewissermaßen als Unbeteiligte und mit demgleichen Interesse an der Erhaltung des Friedens auchfernerhin Hand in Hand arbeiteten, in Wien bezw.Petersburg vermittelnd wirkten und auch die Grund-lage zu fernerem politischen Zusammengehen schaffenkönnten. Entstände aber ein europäischerKrieg dadurch, daß Österreich gegen Ser-bien vorginge, und Rußland, durch dieöffentliche Meinung gezwungen, und umnicht abermals eine Demütigung wie 1909zu erleben, in Galizien einmarschiere,was uns zur Hilfsleistung veranlassen

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