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1 (1927)
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auf die ich wiederum hingewiesen, dieser Gedankenicht ohne weiteres von der Hand zu weisen sei. Mei-ner Frage, ob man diese Auffassung in Paris undPetersburg teile, wich er aus mit dem Bemerken, daßer glaube, daß im allgemeinen die Ansicht herrsche,daß die Besprechung dieser Lösung nicht von derHand zu weisen sei.

Da der Minister sich anscheinend mit seinen En-tentefreunden schon ins Einvernehmen gesetzt hatteund ich gestern von meinem französischen Kollegen,den ich traf, ehe ich Sir Edward Grey getroffen hatte,erfuhr, daß er von unserer Anregung über Paris unter-richtet war, so glaubte ich, namentlich im Hinblickauf die abweichende Auffassung, die die hiesige Re-gierung in der kritischen serbischen Frage vertritt,von einer besonderen Anregung absehen zu sollen,unsere Schritte in Paris und Petersburg zu unter-stützen.

Im übrigen erklärte der Minister wiederholt, daßes ihm vor allem darauf ankäme, einen Ausweg zufinden, der die Erhaltung des europäischen Friedensgewährleiste, und einen Konflikt zu vermeiden, inwelchen einen oder mehrere Großmächte hinein-gezogen werden könnten. Seine geäußerten Auf-fassungen sollten daher nur als Grundlage der weite-ren Besprechungen dienen. Lichnowsky.

AN DEN REICHSKANZLER VON BETHMANN HOLLWEG

London , 1. 12. 1912

M ein italienischer Kollege suchte mich gestern auf,um nachstehendes auseinanderzusetzen.

Italien habe vielleicht noch weniger als Deutsch-land den Wunsch, wegen der serbischen Frage ineinen Krieg verwickelt zu werden, namentlich da es

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