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1 (1927)
Entstehung
Seite
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ich nur um einen Handelshafen handeln soll. Maninteressiere sich in Rom hauptsächlich für Valona undhabe die Griechen wissen lassen, daß die Besetzungdieser Bucht nicht geduldet werden würde. Es sei da-her unbedingt notwendig, daß ein Kompromiß gefun-den werde zwischen dem österreichischen und demrussischen Standpunkt. Je länger man warte, um soschwieriger werde es, eine Lösung zu finden, die fürkeinen von beiden eine Demütigung in sich schließe,da die öffentliche Meinung in beiden Ländern schondurch die fortgesetzten Mobilmachungen immer er-regter werde und der Krieg dann immer schwerer zuvermeiden sei. Es wäre auch nach seinen Nachrichtenein bedenklicher Irrtum, wenn man annehmen wollte,daß Rußland bloß mobilisiere, um zu bluffen. DieAudienz des Grafen Thurn sei ergebnislos verlaufen,und habe sich der Zar auf einige höfliche und freund-liche Redensarten beschränkt, ohne irgendeine Zu-sicherung zu geben. Sasonow ebensowenig wie einanderer russischer Minister könne es wagen, Er-klärungen zu verlautbaren, die der öffentlichen Mei-nung, die für die Serben ausgesprochen Partei nähme,entgegen wären, er würde sonst von seinem Platzefortgefegt werden.

Mit diesen Tatsachen müßten wir rechnen, wennwir einen Krieg vermeiden wollten, und darauf hin-wirken, daß bald eine Einigung zustande käme. Nurauf diese Weise sei der allgemeine Krieg zu vermei-den. Marquis Imperiali verglich die Angelegenheitmit der in Neapel beim Feste des heiligen Gennaroüblichen Begegnung zwischen dem Kardinal und demSindaco . Keiner von beiden dürfe dem anderen gegen-über sich etwas vergeben, und beide müßten diegleiche Anzahl von Schritten zurücklegen, um sich inder Mitte der Kirche zu treffen.

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