Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
281
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Jahren. Die bulgarischen Siege über die Türken hättenauch dazu beigetragen, das Selbstbewußtsein derFranzosen zu erhöhen, und es sei nicht daran zuzweifeln, daß im Falle von Verwickelungen mit Ruß-land die Franzosen losgehen würden. Auch sei essicher, daß die Engländer, trotz der augenblicklichbesonders hervortretenden Hinneigung zu Deutsch-land und ihres ausgesprochenen Friedensbedürfnissesnicht würden unbeteiligt bleiben können. Wenn wirsiegten, würden sie nicht dulden, daß Deutschland eindrückendes Übergewicht auf dem Kontinent erhält.

Was den Ort der Botschafterbesprechung an-belangt, so scheint, wie ich Äußerungen meines russi-schen und italienischen Kollegen entnehme, Sir E.Grey Paris vorzuschweben, schon weil er das Franzö-sische nicht beherrscht. Marquis Imperiali würde Lon-don für den geeigneten Ort halten und hält Paris fürbedenklich wegen des Herrn Iswolsky und einenkleinen Ort wie den Haag nicht für geeignet, weil als-dann die Sache durch Entsendung besonderer Ver-treter die Formen eines Kongresses annehmen undden Absichten des hiesigen Kabinetts nicht mehr ent-sprechen würde.

Ich möchte mich den Ausführungen meines italie-nischen Kollegen, denen vielleicht auch ein Auftragaus Rom zugrunde lag, insofern anschließen, als ichglaube, daß ein von uns ausgehender Vorschlag, derLondon als den Ort der botschafterlichen Vorbespre-chung bezeichnet, hier einen günstigen Eindruck her-vorrufen und in der Öffentlichkeit als ein Beweisunserer gefestigten Beziehungen aufgefaßt werdenwürde. Auch müßte die Vermittlerrolle, die Sir E.Grey alsdann zufiele, weiter dahin wirken, ihn inseiner bisherigen mehr unparteiischen Haltung zu be-stärken. Lichnowsky.

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