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1 (1927)
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DER STAATSSEKRETÄR DES AUSWÄRTIGEN AMTES VONKIDERLEN AN KAISER WILHELM II. Berlin , 6. 12. 1912

E uer Kaiserlichen und Königlichen Majestät meldeich alleruntertänigst, daß ich nach Eingang desösterreichischen und italienischen EinverständnissesSir Edward Goschen auf die Sondierung wegen derBotschafterkonversation heute nachstehendes geant-wortet habe:

Die Kaiserliche Regierung hat von dem Vor-schläge Sir E. Greys, die Botschafter der sechs Groß-mächte in einer der europäischen Hauptstädte zu un-verbindlichen Besprechungen über mehrere vom inter-nationalen Standpunkt besonders wichtige Fragen desBalkanproblems zu ermächtigen, mit lebhafter Genug-tuung Kenntnis genommen. Sie erblickt in dem vor-geschlagenen Verfahren ein geeignetes Mittel, denGeschäftsgang zu vereinfachen und zu beschleunigen,und würde es begrüßen, wenn als Ort der Konver-sation London gewählt wird, von wo die Anregungausgegangen ist. Für den Fall, daß Sir E. Grey hiermiteinverstanden ist, erklärt sich die Kaiserliche Regie-rung bereit, Fürst von Lichnowsky ohne Verzug mitden erforderlichen Instruktionen zu versehen. Siesetzt dabei voraus, daß bei der Konversation der Bot-schafter auch nach außen der Eindruck einer for-mellen Konferenz vermieden werden wird.

Da Rumänien sich in Anbetracht seiner gewich-tigen Stellung und Interessen am Balkan in der glei-chen Lage wie die Großmächte befindet und bei denFriedensverhandlungen der Kriegführenden als einzigeBalkanmacht nicht zu Worte kommen wird, befür-wortet die Kaiserliche Regierung, zu den Bespre-chungen der Botschafter auch den rumänischen Ge-sandten hinzuzuziehen. Alleruntertänigst Kiderlen.

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