Druckschrift 
1 (1927)
Entstehung
Seite
299
Einzelbild herunterladen
 

britischen Regierung und namentlich von den Ab-sichten Sir E. Greys gewonnen habe, durch seine Hal-tung als Leiter unserer Zusammenkünfte nicht un-wesentlich bestärkt worden ist. Als Vater des Ge-dankens, durch einen mündlichen Meinungsaustauschunter persönlich befreundeten Diplomaten den be-stehenden Gegensätzen ihre Schärfe zu nehmen, warer während unserer Verhandlungen sichtlich bemüht,den Eindruck einer Parteilichkeit zu vermeiden undeine vermittelnde Stellung, soweit dies nötig war, ein-zunehmen.

Wenn wir es seiner Friedensliebe und dem Frie-densbedürfnis des britischen Volkes zu verdankenhaben, daß das Gewicht der englischen Stimme in denaufregenden Wochen, die hinter uns liegen, so schwerund entscheidend zugunsten einer besonnenen und ge-mäßigten Haltung der politischen Freunde Englands ins Gewicht fiel, so glaube ich hieraus den Schlußziehen zu dürfen, daß wir auch für die Zukunft miteiner ähnlichen Haltung der britischen Regierungrechnen dürfen. Denn es liegt kein Grund zur An-nahme vor, daß Großbritannien , falls es sich wirklichmit der Absicht trüge, gegen uns feindlich vorzugehen,eine so günstige Gelegenheit wie diese unbenutztwürde Vorbeigehen lassen, oder daß es nach erfolgterBeilegung des kontinentalen Zwistes plötzlich undohne jeden Grund Lust haben sollte, über uns her-zufallen.

Im Gegenteil, die deutsch -englischen Beziehungensind, wie auch maßgebende Mitglieder des hiesigenKabinetts in Privatgesprächen erklärt haben, seitlangem nicht so günstig gewesen wieheute, und es liegt Grund zur Annahme vor, daß diedurch das Zusammenwirken in der letzten Krise ge-festigte Annäherung, falls keine störenden Ereignisse