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1 (1927)
Entstehung
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die bisherigen so überaus günstigen Ergebnisse un-serer Beratungen durch ein schroffes Festhalten andiesem Punkte in Frage zu stellen, nachdem das wich-tigste den österreichischen Wünschen entsprechenderreicht sei. Auch ich meine, daß es sich empfehlenwürde, in dieser wie in der Frage der nördlichen undöstlichen Abgrenzung Albaniens in Wien zur Mäßi-gung zu raten. Sir E. Grey hat sich auf die Seite desDreibunds in dem Streite um den serbischen Hafengestellt. Er wird aber, wie er mir und meinem italie-nischen Kollegen wiederholt gesagt hat, den Wün-schen Montenegros auf Skutari nicht entgegenwirken.

Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 2. 1. 1913

O sman Nisami Pascha suchte mich heute früh auf,um mir zu sagen, daß über alle Punkte zwischenden Türken Einigung erzielt sei bezw. eine Verständi-gung möglich wäre bis zu einem: Adrianopel . Hierinnachzugeben sei für die Türkei vollkommen unmöglich,und zwar nicht nur aus militärischen Gründen, die esdringend geboten erscheinen ließen, diese Festung zubehalten, die nur etwa 300 Kilometer von Konstanti-nopel entfernt lag, und die Grenze nicht noch näherzu rücken. Adrianopel sei für die Osmanen etwa, wasMoskau für die Russen sei, die ehemalige Residenzmit zahlreichen Heiligtümern und Moscheen, und keineRegierung könne es wagen, dieselbe preiszugeben.Auch Seine Majestät der Sultan, der sich sonst nichtin die Einzelheiten der Verhandlungen mische, sei indiesem einen Punkte unnachgiebig. Die Türkei wünschtnach dem Friedensschluß gute Beziehungen zu Bul-garien zu unterhalten, was aber unmöglich würde,wenn Adrianopel in bulgarische Hände käme, da als-

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