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1 (1927)
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dann der Wunsch, es wieder zu erobern, zu neuenKriegen führen würde.

Falls nicht die Mächte einen Druck auf die bul-garische Regierung ausübten, der namentlich vonÖsterreich aus sehr wirkungsvoll sein würde, sei dasScheitern der hiesigen Verhandlungen und die Wieder-aufnahme der Feindseligkeiten mit Bestimmtheit zuerwarten. Ich entgegnete ihm in Übereinstimmung mitden allerhöchsten Weisungen, daß wir den Türkennur zur Mäßigung raten könnten und es nicht ver-stehen würden, wenn die Friedensaussichten durchdie Schroffheit des ottomanischen Standpunkts ver-nichtet werden sollten. Die Türkei würde alsdannjedenfalls von keiner Seite Unterstützung zu erwartenhaben. Er erwiderte, man habe sich durch die Preis-gabe der gesamten europäischen Türkei mit alleinigerAusnahme des Gebiets um Adrianopel sehr entgegen-kommend gezeigt, mehr sei von ihm nicht zu er-warten. Lichnowsky.

AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 2. 1. 1913

S ir E. Grey bittet mich, heute mittag zu ihm zukommen, um noch vor der Sitzung mit ihm zusprechen. Zunächst übermittelte ich ihm den DankEuerer Exzellenz für seine Beileidskundgebung. Ernahm hierbei Anlaß, dem verstorbenen Staatsmannvon Kiderlen-Waechter noch einige warme Worte zuwidmen, die sich namentlich auf seine Haltung in derletzten Krise und auf die Förderung bezogen, die Herrvon Kiderlen-Waechter dem deutsch -britischen Zu-sammengehen habe angedeihen lassen.

Hierauf sagte er mir, daß, falls ich damit ein-verstanden sei, die Abgrenzung Albaniens heute nach-mittag nicht verhandelt würde, da namentlich die

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