Türkei durch Entziehung aller Unterstützung mürbezu machen. Im ganzen hatte der Minister heute einegünstigere Auffassung der ganzen Lage und schieneine baldige Beendigung der Feindseligkeiten voraus-zusehen. Lichnowsky.
AN DAS AUSWÄRTIGE AMT London , 25. 7. 1913
B ei der heutigen Sitzung gelangte zunächst die Frageder Anwendung von Druckmitteln gegen dieTürkei zur Erörterung. Ich verfehlte nicht, meine neu-lichen Erklärungen zu wiederholen und darauf hinzu-weisen, daß es verfrüht wäre, schon jetzt an dieseFrage heranzutreten, schon wegen der nicht unerheb-lichen Schwierigkeiten, die sich der Verwirklichungeiner Flottenkundgebung entgegenstellten. Sir E. Greysprach sich in ähnlichem Sinne aus, während die Kol-legen sich nur dafür erklärten, falls alle anderenMächte mitmachten. Der Gedanke wurde von keinerSeite sehr warm befürwortet und alsbald fallen-gelassen, obwohl Graf Benckendorff wiederholt aufdie russische öffentliche Meinung hinwies.
Sir E. Grey regte hierauf an, den türkisch -bulgari-schen Streit gleichzeitig mit den Abmachungen derBalkanstaaten der Entscheidung der Mächte zu unter-werfen, die Türkei also mit demselben Maß zu messenwie die kriegführenden Königreiche, und sprach dieHoffnung aus, daß sie sich dem geeinten Willen derMächte fügen werden. Graf Benckendorff bemerkte,es sei zu befürchten, daß die russische öffent-liche Meinung sich nicht so lange ge-dulden werde.
Es gelangte sodann die Frage eines diplomatischenDrucks zur Erörterung, verbunden mit Verheißungen,die den türkischen Wünschen entsprächen. Ich habe
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