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1 (1927)
Entstehung
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haltend, während Herr Cambon nach einigem Zögernerklärte, nicht in der Lage zu sein, der italienisch-österreichischen Auflassung beizutreten. Ein be-stimmter Vorschlag wurde aber weder von ihm nochvon einem anderen Mitgliede seiner Gruppe gemacht.

Dann erklärte Sir Edward Grey , es empfehle sich,vor weiterer Beratung über die Abgrenzung Süd-albaniens sich die Frage vorzulegen, was wohl zu ge-schehen habe, falls Griechenland sich weigere, denBeschlüssen der Mächte Rechnung zu tragen. Wirhätten bereits mit Skutari erlebt, welche Schwierig-keiten entstehen könnten, wenn Widerstand zu über-winden wäre, Griechenland gegenüber würde die An-gelegenheit noch viel heikler werden. Den Äußerun-gen des hiesigen griechischen Vertreters entnehme er,daß Griechenland lieber auf einen Teil der Inseln ver-zichten als Südalbanien räumen wolle, so daß nochdie fernere Frage entstünde, wer die Griechen vonden von ihnen besetzten Inseln vertreiben würde, fallssie erklären, in der südalbanischen Frage nicht nach-zugeben. Er sei überzeugt, daß die Mehrheit derMächte sich an einem gewaltsamen Vorgehen gegenGriechenland nicht würde beteiligen wollen, und erseinerseits könne nur dann einem Beschlüsse zustim-men, falls er in der Lage sei, namens des Kabinetts zuerklären, daß England bereit sei, die Ausführung des-selben durchzusetzen bezw. sie anderen Mächten zuüberlassen. Alsdann müßte aber die getroffene Ent-scheidung so vernünftig erscheinen, daß das Unrechtoffenbar sich auf griechischer Seite befände, falls esablehne, sich zu fügen.

In der nächsten Sitzung dürfte der Minister seinenStandpunkt und den des Kabinetts festlegen. Bisherhat er sich hierüber jeder Äußerung enthalten und mirnur vertraulich gesagt, es sei kaum möglich, die

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