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1 (1927)
Entstehung
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geworden ist, auf diese allgemein gehaltene Erklä-rung beschränkt, und um den Allerhöchsten Ansichtennicht sfchroff und offenkundig entgegentreten zumüssen, es unterlassen, mich an der weiteren Erörte-rung zu beteiligen und meine Zustimmung zu denAusführungen meiner beiden Kollegen in das Proto-koll aufzunehmen. Diese Haltung entspricht ja auchIhren Weisungen, die in dem letzten maßgebendenErlaß die heikle Frage umgehen und lediglich die Hoff-nung aussprechen, zwischen Wien, Rom und Athen eine Einigung zu erzielen. Daß dieser fromme Wunschnicht in Erfüllung gehen würde, war Ihnen wohl auchdamals klar, und ich glaubte zu verstehen, daß ichzwar die Wünsche unserer Verbündeten unterstützen,es aber vermeiden sollte, allzu offenkundig damit her-vorzutreten bezw. die Führung zu übernehmen.

Die von mir beobachtete Zurückhaltung entsprachalso wohl Ihren Wünschen und denen des HerrnReichskanzlers, hat aber natürlich meinen beidenKollegen nicht ganz gefallen. Marquis Imperiali sagtemir gestern, daß er hier von allen Seiten auf diekaiserliche Sympathie für Griechenland angesprochenwerde, während Sie Bollati*) erklärt haben sollen, wirteilten vollkommen die italienische Auffassung. Icherwiderte, daß ich mich nur formell abwartend ver-halten hätte, daß aber, falls nach meinem in derSitzung gestellten Anträge die südalbanische Fragesofort zur Besprechung gelangt wäre, was, wie Siewissen, an dem Widerspruch Greys scheiterte, ich dieitalienischen Wünsche bestimmt unterstützt hätte. Eshandele sich also lediglich um eine gewisse Zurück-haltung in der Form; in der Sache würden wir unsereBundesgenossen nicht im Stich lassen. Ich habe auch

*) Italienischer Botschafter in Berlin .

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