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reichisch-ungarische Regierung sich am 30. Juli nachmittags dembisher standhaft abgeschlagenen russischen Wuhsen nach einer Dis-kussion der Note an Serbien fügte. Es wird ferner durch das fran-zösische Gelbbuch bezeugt, dass der russische Botschafter in Wien der versöhnlichen Erklärung des Grafen Berchtold den grösstenWert beimass und von dieser Erklärung sofort seine französischenund englischen Kollegen unterrichtete. Es steht ferner nach demfranzösischen Gelbbuch fest, dass der französische Botschafter inWien aus dem Entgegenkommen des Grafen Berchtold die Hoff-nung auf eine Lokalisierung des Konflikts herleitete und dass derenglische Botschafter, ohne erst in London rückzufragen, das voll-ständige Einverständnis des Foreign Office mit dem zwischendem Grafen Berchtold und dem russischen Botschafter besprochenenVorgehen aussprach.
Es ist aber weiter eine Tatsache, dass das russische Orange-buch keine Spur von diesem entscheidenden EntgegenkommenOesterreich-Ungarns aufweist, und schliesslich, dass dieses entschei-dende Entgegenkommen Oesterreich-Ungarns von der russischen Regierung mit der allgemeinen Mobilmachung beantwortet wurde,die den Krieg unvermeidlich machte.
Dazu kommt, dass die allgemeine Mobilmachung den beiden
infolge der Gegnerschaft Englands das Hauptgewicht des Kampfes zufallen.Das politische Prestige Oesterreich -Ungarns, die Waffenebre seiner Armeesowie seine berechtigten Ansprüche gegen Serbien könnten durch die BesetzungBelgrads oder anderer Plätze hinreichend gewahrt werden. Wir müssen daherdem Wiener Kabinett dringend und nachdrücklich zur Erwägung geben, dieVermittlang zu den angebotenen Bedingungen anzunehmen. Die "Verantwortungfür die sonst eintretenden Folgen wäre für Oesterreich-Ungarn und uns eineungemein schwere."
Die österreichisch-ungarische Regierung entsprach unseren eindringlichenVorstellungen, indem sie ihrem Botschafter in Berlin folgende Weisung gab:
„Ich ersuche Eure Exzellenz, dem Staatssekretär von Jagow für die unsdurch Herrn von Tschirschky gemachten Mitteilungen verbindlichst zu dankenund ihm zu erklären, dass wir trotz der Aenderung, die in der Situation seitherdurch die Mobilisierung Russlands eingetreten sei, gern bereit seien, dem Vor-schlage Sir Edward Greys, zwischen uns und Serbien zu vermitteln, näher-zutreten. Die Voraussetzungen unserer Annahme seien jedoch natürlich, dassunsere militärische Aktion gegen Serbien einstweilen ihren Fortgang nehme,und dass das englische Kabinett die rus »ische Regierung bewege, die gegenuns gelichtete russische Mobilisierung zum Stillstand zu bringen, in welchemFalle selbstverständlich auch wir die uns durch dieselbe aufgezwungenen de-fensiven militärischen Gegenmassregeln in GalMen sofort wieder rückgängigmachen würden."