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kommen keine Sache mehr, die den Appell an die Waffen begrün-den konnte.
Die Herbeiführung des Krieges war also für Russland einereine Opportunitätsfrage. In Ermangelung zwingender Gründekonnte die Entscheidung für den Krieg nur herbeigeführt werdendurch die Ueberzeugung: die Gelegenheit ist günstig, diejenigenGrossmächte niederzuzwingen, welche den massgebenden russi-schen Persönlichkeiten als Hindernis auf dem Wege ihrer Politikerschienen.
Auf sich allein gestellt, hätte Russland den Krieg mit Oester-reich-Ungarn und Deutschland äusserstenfalls in Verteidigung natio-naler Lebensinteressen, niemals aber aus der Abwägung der Wahr-scheinlichkeit des Erfolges gewagt. Nur die Sicherheit der aktivenMitwirkung anderer Grossmächte konnte also den leitenden KreisenRusslands den Entschluss zum Kriege ermöglichen. Die Haltungder beiden anderen Mächte des dreifachen Einvernehmens musstealso für die russischen Entschlüsse von entscheidendem Einflusssein.
Hierfür enthalten die Dokumente der Dreiverbands-Regierun-gen die Bestätigung.
Die Mitwirkung Frankreichs war keineswegs a priori sicher,geschweige denn die Mitwirkung Englands . Der französisch-russi-sche Bündnisvertrag verpflichtete Frankreich nicht zu einer unbe-dingten Kriegsgefolgschaft gegenüber Russland, und zwischen Russ-land und England bestanden keinerlei präzise Abmachungen. Beidem österreichisch-ungarisch-serbischen Konflikt, der aus der Er-mordung des Österreich -ungarischen Thronfolgers und seinerGemahlin entstanden war, konnten die Sympathien der nicht un-mittelbar Beteiligten nur auf der Seite Oesterreich -Ungarns sein.Darüber war man sich auch in Russland klar, und diese Klarheitäusserte sich darin, dass die russische Regierung nach der Ueber-gabe der österreichisch-ungarischen Note an Serbien zunächst einegewisse Vorsicht an den Tag legte.
So drahtete der französische Botschafter in Petersburg seinerRegierung am 24. Juli (Gelbbuch No. 31), nachdem Sasonoff vonder österreichisch-ungarischen Note an Serbien Kenntnis erhaltenhatte, die Dispositionen des Zaren und seiner Minister seien dieallerfriedlichsten; und am 25. Juli (Gelbbuch No. 38):