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meines Erachtens speziell bei der Kriegsgewinnbesteuerung allesvermieden werden, was dazu führen könnte, diese Steuer bei denBetroffenen auch nur als eine levis macula erscheinen zu lassen.Schliesslich sind Uebervorteilungen und Missbräuche auf dem Ge-biet der Arbeit für den Krieg doch immerhin, Gott sei Dank, Aus-nahmen, Ausnahmen, die jedermann auf das schärfste missbilligenund verurteilen wird, wo sie vorgekommen sind, Ausnahmen, dieaber erfreulicherweise im Verhältnis zu der Gesamtheit der Riesen-leistung, die das deutsche Wirtschaftsleben für den Krieg voll-bracht hat, nur verschwindend gering sind. Soll etwa der Indu-strielle, der seine Friedensfabrik mit dem Aufwand seiner ganzenIntelligenz und seines Vermögens in eine Munitionsfabrik umge-wandelt hat, soll der Landwirt, der trotz aller Erschwerungen allesgetan hat, was in seiner Kraft stand, um für die Ernährung desVolkes und des Heeres, um für das Durchhalten zu sorgen, sollauch der Händler, der in redlicher Arbeit Nachfrage und Erzeugungzusammenzubringen versucht hat, einer an das Konfiskatorischestreifenden Kriegsgewinnbesteuerung unterliegen, während etwa derKapitalist — ich will einmal einen extremen Fall nehmen —,der ruhig auf amerikanischen Wertpapieren sass, die in die Höhegegangen sind, und einen erheblichen Vermögenszuwachs dadurcherfahren hat, von dieser Steuer nicht getroffen wird, nur weiler für den Krieg nicht gearbeitet hat? Das sind Konsequenzen,die unter allen Umständen vermieden werden müssen. Also einenStrafcharakter wollen wir bei dieser Steuer bewusst und vonvornherein ausschalten.
Dafür sprechen auch starke finanzielle Gründe.
Meine Herren, ich werde im Interesse der Neuordnung derReichsfinanzen nach dem Kriege auf einen sehr ausgiebigen Er-trag der Kriegsgewinnsteuer nicht verzichten können. Dass einausgiebiger Ertrag zu erzielen ist, halte ich für ausgemacht. Unseregrossen Milliardenaufwendungen für den Krieg sind doch erfreu-licherweise zum weitaus überwiegenden Teil im Inlande geblieben.Die Zahlungen, die im Inland geleistet worden sind, müssen irgend-wie in die Erscheinung treten; denn sie sind nach meiner Ueber-zeugung erheblich geringer als die Werte, die in diesem Kriegeim deutschen Vaterlande vernichtet oder aufgebraucht worden sind.