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Reden und Aufsätze aus dem Kriege / Helfferich
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Der Krieg bedeutet das ist richtig eine enorme Wertzer-störung; aber ich glaube, die Wertverschiebung, die der Krieghervorgebracht hat, ist nicht geringer zu veranschlagen, und dieseWertverschiebung muss irgendwo als Vermögenszuwachs in dieErscheinung treten. Wenn wir also diesen Vermögenszuwachs imweitesten Sinn erfassen, dann, aber auch nur dann, werden wireine ausgiebige finanzielle Ausgestaltung, einen ausgiebigen finan-ziellen Ertrag der Steuer erwarten dürfen.

Meine Herren, der eben besprochene Punkt der Allgemeinheitder Gewinnbesteuerung ist der erste Punkt, in dem sich daskommende Kriegsgewinnsteuergesetz an die Besitzsteuer anlehnenwird. Dieser Grundsatz kommt auch bereits in dem vorbereitendemGesetze, das heute den Gegenstand unserer Beratungen bildet,zum Ausdruck; denn das Gesetz umfasst in den Vorschriften,die es über Reservestellung usw. enthält, die Gesamtheit allerjuristischen Personen, die Erwerbszwecke verfolgen, einerlei, obsie direkt oder indirekt oder überhaupt nicht mit dem Kriege inirgendwelchem Zusammenhange stehen.

Der zweite Punkt, in dem das vorliegende Gesetz und auchvoraussichtlich die definitive Kriegsbesteuerung sich an das Be-sitzsteuergesetz anlehnen wird, ist der dreijährige Zeitraum,den wir der Kriegsbesteuerung zugrunde legen wollen. Ich weiss,dass auch gegen diesen dreijährigen Zeitraum manche Bedenkenund Einwände bestehen; aber ich hoffe, dass Sie sich überzeugenwerden, dass wir auch hier mit unserm Entwurf und mit unsererIdee für den künftigen Entwurf den richtigen Weg eingeschlagenhaben.

Ich möchte von vornherein nicht den Gedanken aufkommenlassen, ,als ob bestimmend für diesen dreijährigen Zeitraum lediglichder formale Gesichtspunkt der Anlehnung an das bestehende Be-sitzsteuergesetz gewesen wäre. Das ist nicht der Fall; es sindvielmehr starke materielle, starke in der Sache liegende Gründe,die uns veranlasst haben, auf diesen Boden zu treten.

Die Gründe sind folgende: Für grosse Erwerbszweige ist diesogenannte Kriegskonjunktur keine einheitliche. Manches Unter-nehmen, nicht nur in der Industrie, sondern auch in der Landwirt-schaft, mag indem ersten Kriegsjahre glänzend verdient haben, wäh-